[auf Wunsch von Ahnlir und virus, meinen "alten" Kollegen von Outland.FM]
Ich habe mal wieder eine Bestätigung bekommen das Musik in meinem Leben eine enorme Rolle spielt. Egal welche Situation irgendwo auf mich wartet, ich kann sie in den meisten Fällen sofort mit einem Lied verbinden.
Nun habe ich leider länger nichts mehr geschrieben weil mich der Lehrgang ziemlich auf Trab hält. Ich habe im Hotel in Frankfurt nur über das Iphone Internetzugang und da solche langen Texte zu schreiben ist ziemlich nervenaufreibend.
Ich will hier kurz berichten was die letzten 2,5 Wochen so passiert ist.
Der erste Tag war Donnerstag, 14. Oktober. An diesem Tag startete der Lehrgang. Eine Kollegin kannte ich schon vom Auswahlgespräch, einige andere bereits über Facebook ein wenig und so fiel es dann auch nicht schwer direkt ins Gespräch zu kommen. Man merkte das bei jedem eine gewisse Aufregung da war. Was würde uns wohl jetzt so erwarten?
Wir bekamen für die ersten Tage Servicetraining zwei hervorragende Trainerinnen die nach 7 Tagen ausnahmslos alle in ihr Herz geschlossen hatten. Sie verstehen es zu begeistern und selbst bei trockenem Stoff dafür zu sorgen das man nicht abschaltet, sondern gebannt dabei ist.
Leider mussten wir die beiden nach 7 Tagen schon wieder abgeben da nun das sogenannte CRM auf dem Plan stand. Was das genau bedeutet würde an dieser Stelle zu weit führen. Die Langform ist “Crew Ressource Management” und im groben geht es um Kommunikation untereinander, also in einer Crew.
CRM dauerte nur 2 Tage und es folgte EM, die Abkürzung für “Emergency”. Hier geht es darum zu lernen wie man in Notsituation richtig reagiert, wie man Passagiere möglichst schnell aus einem Flugzeug evakuiert und welche Mittel einem an Bord zur Verfügung stehen um Notsituationen möglichst zu einem guten Ende zu bringen.
Es ist ein unglaublich ernstes Thema und niemand von uns möchte jemals in die Situation kommen ein Flugzeugunglück zu erleben und die Kommandos die gelernt werden einzusetzen. Jedoch gehört es dazu und eigentlich ist der Notfall der Grund warum wir Flugbegleiter überhaupt an Bord sind. Jeder der schon mal Flugbegleiter abfällig als “Saftschubsen” bezeichnet hat sollte sich klar machen das die Kolleginnen und Kollegen im Notfall diejenigen sind die dafür sorgen das man überlebt.
Trotz der Ernsthaftigkeit des Themas macht es sehr viel Spaß. Jeder weiß was er in bestimmten Situationen zu tun und zu schreien hat um die Leute aus dem Simulator zu evakuieren. Es bleibt natürlich nicht aus das man sich mal verhaspelt oder etwas vergisst, aber jeder von uns wird von Tag zu Tag besser. Unser Trainer hat es schon geschafft das wir auf das Hauptkommando “Passenger Evacuation, Passenger Evacuation” so gepolt sind das jeder sofort anfängt die Evakuierungskommandos zu rufen. Und glaubt mir, wenn 17 Personen aus einem Kurs im Chor die Evakuierungskommandos laut rufen, das ist pure Gänsehaut. Ich denke meine Kollegen stimmen mir da zu.
Gurte los! Alles liegen lassen! Raus!
Seatbelts off! Leave everything! Get out!
Es gibt nur eine Sache die mehr Spaß macht als die vollen Simulatorübungen, also die Übungen bei denen der Notfall mit Geräuschen und voller Bewegung simuliert werden, das rutschen! Bereits in den letzten 3 Tagen Emergency hat sich rausgestellt das der Ausstieg aus dem Simulator über die Notrutsche ein bischen das Highlight am Ende des Tages ist. Besonders lustig sind dann die Momente am Ende der Rutsche wenn sich Leute berühren beim Auffangen und dann erstmal elektrische Schläge verteilt werden.
So ein Emergencytag endet immer um 19:30 Uhr und abends wird dann noch fleißig gelernt und man steht vor dem Spiegel und evakuiert sich selbst aus dem Badezimmer mit den gelernten Kommandos. Für die unter euch die mich noch aus dem Radio kennen, ihr werdet euch im klaren darüber sein das das kein Scherz sondern die Realität ist.
Nun möchte ich aber zu meiner Liedauswahl kommen. Am ersten Tag wurden wir in die “Faszination Lufthansa” eingeführt indem uns folgendes Video gezeigt wurde. Sowohl die Musik, als auch die Bilder sind für mich seitdem Sinnbild für meinen Wunsch Flugbegleiter zu werden. Ich höre das Lied und bekomme Gänsehaut. Ich kann kaum den 2. Dezember erwarten. Der letzte Tag in der Schulung. Danach geht es “auf Strecke”.
